Das Problem von VW: Nicht beziehungsfähig

Die Lieferanten-Krise ist hausgemacht, sagt Marktforscher Roman Becker

Mainz, 05.09.2016 – Nicht lange her, da eskalierte der Streit zwischen VW und zwei Zulieferern. Als die Produktion stillstand, einigten sich die Streithähne gerade noch. Der Mainzer Marktforscher Roman Becker hat die Geschichte analysiert und kommt zu dem Schluss, VW sei beziehungsunfähig und nicht in der Lage gewesen, seine Lieferanten zu Fans zu machen. Deswegen sieht er schwere Zeiten auf die Wolfsburger zukommen. Auf Focus Online schreibt Becker: „Es gelingt dem Konzern nicht, eine stabile und wertschätzende Beziehung zu seinen wichtigsten Zielgruppen aufzubauen: Nicht zu den Kunden, nicht zu den Lieferanten und nicht zu seinem Führungspersonal. Das ist nicht gut für die Zukunftsaussichten des Riesen. Denn wir wissen, dass Unternehmen langfristig nur dann erfolgreich sein können, wenn ihre Beziehungsqualität stimmt.“

Becker, Entdecker des Fan-Prinzips, vermisst bei VW den Respekt für die Leistungen der Zulieferer, denen die Autoindustrie viel zu verdanken hat. Stattdessen würden diese von Einkäufern an die Wand gedrückt: „Wer sich in der Zuliefererszene auskennt, weiß, wie die Automobilhersteller im Allgemeinen und der VW-Konzern im Besonderen in den letzten Jahrzehnten ihre Einkaufsmacht genutzt haben, um Zulieferer nicht nur preislich bis an Schmerzgrenzen und darüber hinaus zu drücken.“

Auch der Umgang mit dem Dieselskandal belege die These von der Beziehungsunfähigkeit. Becker: „Die Unfähigkeit, das Thema aus Kundensicht zufriedenstellend zu lösen, nagt an der Beziehung zwischen VW und seinen Kunden.“

Den Ausweg sieht Becker in einer Kehrtwende hin zu qualitativem Beziehungsmanagement: „Das sollte der Fokus eines Unternehmens sein, nicht Renditen und die Vorlage quartalsfixierter Zahlenkolonnen!“

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